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Teneriffa - Suchtgefahr

Sonneaufgang

Sonnenaufgang auf 400 m Höhe

Ich kann‘s halt auch nicht lassen.

Mai 2002 und ich hocke nun den vierten Urlaub auf diesem Berg, weil ich hier noch nicht alles erledigt habe und das läßt mir keine Ruhe.

Die Familie schläft längst "drunten im Tal" und ich habe inzwischen mein zweites Paar Ersatzaugen beim Schöpfer bestellt, denn die gehen hier weg wie warme Semmel, sprich fallen vor Überlastung bald in den Kopf. Denn vor dem Kopf befindet sich das Okular.

Macht nix - weiter geht‘s! Zwei Wochen sind kurz.

Frage: "Warum der Streß?
Antwort: "Draußen vor der Tür".

Auf Teneriffa ist am Tage oft die Freude groß, denn der Himmel ist meistens klar.

Gegen Abend zeigt der Horizont aufsteigenden Dunst, weg ist die Nachbarinsel.
Danach folgen oft Wolkenbänke.

 

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang mit Blick auf La Gomera

Das wäre kein Problem, denn ich bin ja nachts in den Canadas auf ca. 2100 m Höhe durch die noch höheren Kraterwände vor den tiefen Wolken sicher.

Das alles half mir in diesem Jahr jedoch nicht, denn ich wollte Eta Carinae und den erwischt man aus den Canadas nicht. Also steht man am Südhang "draußen vor der Tür" und hofft auf Gnade.

Und da gibt`s noch was.
In der Dämmerung zeigt sich gelegentlich ein zartes, gelblich-braunes Band am Horizont aus Richtung Süden. So ein Phänomen ist oft der Anfang vom Ende, denn das bedeutet sandhaltigen Wind aus Afrika. Eine feine Sache für Mensch und Gerät.

Deshalb stand in diesem Jahr alles unter dem Motto "jung und dynamisch",
und das funktionierte so:

Ich wohnte 400m über dem Meeresspiegel nahe dem Ort Candelaria.
Das ist grob gesagt ca. auf halber Strecke von Nord nach Süd auf der Ostseite der Insel.

Von hier aus hat es jedermann recht leicht, morgens am Frühstückstisch zu entscheiden, in welche Richtung der Tagesausflug geht. Die meisten schönen Orte sind in ca. 1 - 1 ½ Std. mit dem Auto erreichbar, denn ohne Auto "läuft eh nix".

Von meinem Appartement aus konnte ich das Sonnenobservatorium von Teneriffa außerhalb der Canadas an der Nord-Ost-Flanke des Gebirges sehen.

Ich freute mich immer, wenn dort alles klar erschien, denn dann konnte ich von dort aus wunderbar in Richtung Süden bis zum Horizont schauen, also auch auf Eta Carinae.

 

Sonnenaufgang mit Venus

Sonnenaufgang mit Venus bei Isana

 

Der "jung-dynamische Aspekt" an der Sache war nun folgender:

Im Laufe so mancher Beobachtungsnacht kamen am Standort Sonnenobs. nach den ersten dunklen Stunden zwischen ca. 21.30 und 22.00 Uhr massiver Dunst und dann Wolken auf, die mir im Stück die Hütte dicht machten.

Nun, man hat es ja nicht anders gewollt.

Also die Geräte wieder abbauen und rüberfahren zum Südhang der Canadas, wo manchmal der Himmel noch frei ist. Das kostet in stockdunkler Nacht mit entsprechend vorsichtiger Fahrweise noch einmal ca. 30 Min., ohne Ab- u. Aufbauzeit.

Man könnte ja konsequent sein und abends direkt zum Südhang fahren, aber:

Der Standort Observatorium reizt unglaublich wenn man bedenkt, die Milchstraße bis Eta Carinae von Isana (Sonnenobs.) aus zu erwischen, denn ich spare eine satte Stunde Fahrzeit durch den Krater (30 Min. Hinfahrt und 30 Min. zurück bis Isana mit müden Augen, dann die 45 Min. Reststrecke zum Appartement).
Und das fast jeden Tag nach einer zwar schönen, aber auch langen Nacht - also reiner Selbstschutz.
Trotzdem ist die Anfahrt jedesmal so schön, dass ich sie nicht missen möchte.

Weil es mit Isana aber nicht klappen wollte wegen dummer Lage in den Wolken, zahlte ich in den ersten drei Nächten auf dem Berg besagtes Lehrgeld. Davon wurden zwei Nächte von leichtem Sandsturm getopt, nachdem ich die Gerätschaft am Südhang wieder aufgebaut hatte und auf den Kameraauslöser drücken wollte.

Über die Reinigungsaktion am nächsten Tag lasse ich mich hier besser nicht so sehr aus, es tat aber bitter Not. Zum Glück hatte ich manches Nötige dabei. Was fehlte, kramte ich aus der Werkzeugkiste des Appartement-Vermieters. Trotz aller Mühe kostete mich der Sandsturm die Rektaszensionsachse am Handtaster. Der muckte in den nächsten Nächten dermaßen rum, das ich schließlich per Hand nachführte - mit etwas Übung kein Problem bis 300 mm Tele.

In der Heimat angekommen fand ich dann noch Dreck in der Steckerbuchse am Motor - tja.

 

Das hilft:

In den ersten zwei Nächten konnte ich in leichter Bekleidung von der Terrasse meines Appartements wunderschön den Himmel studieren und die Technik noch einmal im Dunkeln testen, damit beim Photographieren zu Neumond alles schneller von der Hand ginge. Und selbst einige Photos von dieser Stelle aus sind recht gut gelungen. Der Himmel ist halt alle Mal besser auf Teneriffa als im Norden Deutschlands, selbst bei Streulicht.

Beachten mußte ich den Flugverkehr, der in den ersten- und letzten Nachtstunden auf einigen Photos dokumentiert wurde, wenn man sich am Südhang des Kraters befindet.

In den Canadas selbst ist aber meistens alles "Freude und Eierkuchen", da der Kraterrand viele Sorgen wie Wolken und Streulicht abhält. Mit etwas erzwungener Steifigkeit der Montierung durch einen Beutel Steine im Dreibein hängend, läßt sich ein 200 mm Tele nicht von gelegentlichen mittleren Windböen beeindrucken.

Der Beutel bringt mehr Ruhe ins Gerät, als er durch geringes Schwingen schadet.

Wichtig ist auch bei Strom vom Wagen, den Automotor möglichst öfter anzulassen, da man den Batterien der Mietwagen in der Regel nicht trauen kann - ich weiß das!

 

Das hilft nicht:

An Fahrstrecke geizen, wegen Angst vor der langen Rückfahrt.
Lieber gleich zur richtigen Stelle fahren und nach getaner Lust im Auto eine gute Stunde schlafen.

Danach den Morgen mit allen Farben und Lauten der Natur genießen und auf der Heimfahrt feine Photos schießen. Denn morgens bietet die seltener beobachtete Beleuchtung der Umgebung durch den östlichen Stand der Sonne ein zusätzliches Schauspiel. Das macht auch den Heimweg zu einem einzigen tollen Film.

 

Teide-Schatten

Teide-Schatten über dem Meer an der Westseite von Teneriffa
beobachtet auf ca. 2000 m Höhe

 

Kaum jemand treibt sich so früh auf dem Berg herum, außer Naturfreunde.

Bei einer dieser morgendlichen Heimfahrten sah ich einen Naturfotographen. Der kämpfte mit dem schnell wechselnden Farbenspiel durch die wandernde Sonne. Das vermutete ich durch sein hektisches Hantieren mit den Objektiven. Und er sah nicht wirklich glücklich aus. So vermied ich es, auch noch auszusteigen und ihm einen guten Morgen zu wünschen.

Ich hatte jedenfalls wieder einen riesigen Spaß und habe erneut dazugelernt.

Der Dunst verschluckte in diesen 2 Wochen jede Nacht den Horizont und somit auch das Objekt der Begierde Eta Carinae - na und?

Also habe ich nächstes Jahr wieder etwas auf dem Berg zu erledigen.

Wer kommt mit J ?

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Astro-Fotos von dieser Reise sind auf der Seite Bilder mit dem Kürzel >T2< zu sehen.

Sie sind mit folgenden Geräten entstanden:

Montierung: Vixen SP (Leihgabe Franz Haar) und 1 Beutel Steine

(Bitte die Steine nicht als Souvenir vom Berg schleppen, denn der ist Naturschutzgebiet und das kostet richtig Geld, wenn die Ranger es merken und das ist gut so!
Außerdem brauchen andere Astronomen die Steine als Gegengewicht etc..)

Für visuelle Beobachtung u. Nachführung: "Russentonne" 10/1000

Nachführung mit GA 2 u. 6mm Okular

Kameras: 2 Minoltas mit je 50mm und 200mm Minolta-Objektiv

Das 50mm Objektiv bediente einen EliteChrome 200 von Kodak, das 200mm Tele einen Fujichrome 400.

Die Belichtungszeiten lagen zwischen 7 - 15 Minuten, damit kann ich bei Handnachführung gut leben.

 

 

PS: Ich bemerkte in den Canadas einen schwachen, ca. 5° hohen Lichtsaum um die hohen Kraterwände herum. Also kein völlig dunkler Himmel mehr auf Teneriffa. Ein schöner Gruß von der ständig wachsenden Bebauung auch auf dieser Insel.

Mal sehen, wann die ersten Namibia-Berichte über Lichtverschmutzung eintreffen.
Und sei es nur eine neue Fluglinie, die dann mit Strichspuren die Photos ziert. In diesen Flugzeugen sitzen dann bestimmt auch Astronomen!?

 

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang mit Blick auf La Gomera

 

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